Vortrag von Ralf G. Landmesser
Vor bald 100 Jahren, am 2. Mai 1919, wurde der letzte Widerstand der Münchner Revolutionär*innen gebrochen, die die erste Räterepublik Deutschlands errichtet hatten – ausgerechnet in Bayern. „Freistaat“, diese Bezeichnung stammt aus der Rätezeit. Nach der Ermordung des USPD-Ministerpräsidenten Kurt Eisner durch einen jungen Offizier, einem Mitglied der faschistischen Thule-Gesellschaft, ergriffen Arbeiter- und Soldatenräte am 7. April 1919 die Macht. Führend dabei die Schriftsteller Erich Mühsam, Gustav Landauer, Ernst Toller, Ernst Niekisch, Ret Marut (d. i. B. Traven) und weitere Literaten. Sogar Rainer Maria Rilke sympathisierte. Von der geflüchteten Minderheitsregierung der Mehrheits-SPD wurden skrupellos rechtsradikale Freikorps und kriegsmäßig bewaffnete Reichstruppen gegen die Räterepublik in Marsch gesetzt, die ein barbarisches Massaker in München anrichteten. Vorne dabei auch die ersten Zellen des späteren NS-Staates, der München zu seiner „Hauptstadt der Bewegung“ machte. Das neue Münchner NS-Dokumentationszentrum an Stelle des Braunen Hauses, stellt in seiner Ausstellung diesen vernachlässigten und meist verschwiegenen Aspekt richtigerweise deutlich heraus. Die Nazi-Pest begann schon 1919 ihre ersten Opfer zu packen und mörderischen Judenhass zu verbreiten. Nach Eisner traf es am 2. Mai Gustav Landauer. Erich Mühsam, vorher gekidnappt, überlebte vorerst…
Fr. 28. September 2018, 19:00 Uhr