Fr. 25. November: Jan Rolletschek: Freiheit und innere Nötigung

Ein Vortrag über Spinoza im Anarchismus Gustav Landauers

Dacosta und Spinoza

Der Philosoph Benedict de Spinoza (1632–1677) hat die Freiheit als das Vermögen definiert, frei von äußerem Zwang der eigenen Notwendigkeit gemäß zu handeln und zu existieren. Freiheit ist für Spinoza also nicht der Notwendigkeit entgegengesetzt, sondern Übereinstimmung mit der eigenen, gleichsam inneren Notwendigkeit. Diese Übereinstimmung stellt sich ein im Glück wirklicher Erkenntnis und im vernünftigen Handeln, das ihr entspricht. Es besteht darin, diese Erkenntnis zu verallgemeinern, sie gemeinsam zu genießen und die Freiheit der je Einzelnen durch freiwillige Zusammenschlüsse kollektiv zu steigern. Der Anarchist Gustav Landauer (1870–1919) hat sich im Verlauf seines Lebens früh und immer wieder dem Werk Spinozas zugewandt. Sein eigenes Schreiben und seine gesamte Praxis sind hierdurch zutiefst geprägt. Im „Aufruf zum Sozialismus“ (1911) gibt Landauer sich beiläufig als „Materialist […] aus der Schule Spinozas“ zu erkennen und an Spinoza dürfen wir auch denken, wenn es dort heißt: „Wo kein Geist und keine innere Nötigung ist, da ist äußere Gewalt, Reglementierung und Staat. […] Geist ist etwas, was in den Herzen und Seelenleibern der einzelnen in gleicher Weise wohnt; was mit natürlicher Nötigung, als verbindende Eigenschaft, aus allen herausbricht und alle zum Bunde führt.“ Der Vortrag geht dem Einfluss Spinozas auf das Denken Landauers nach, um ihn sowohl genetisch als auch systematisch zu rekonstruieren. Was sich dann zeigen könnte, wäre ein Anarchismus auf spinozistischer Basis. Im Anschluss an den Vortrag ist ausgiebig Gelegenheit zur Diskussion.

Fr. 25. November 2016, 19:00 Uhr, […] raum, Witten, Wiesenstraße 25

Sa. 2. Juli: Marika Venezia: Mein Leben mit dem Auschwitz-Überlebenden Shlomo Venezia

Argentina 6183

Shlomo Venezia wurde im April 1944 von Griechenland nach Auschwitz deportiert. Nach kurzer Zeit wurde er dem sogenannten „Sonderkommando“ zugeteilt, das heißt, er wurde gezwungen, in den Krematorien von Birkenau zu arbeiten. Durch eine Reihe glücklicher Zufälle konnte er Auschwitz und die Kriegszeit überleben und wurde somit zu einem der wenigen Zeugen, welche die Massenmorde in Auschwitz-Birkenau erleben mussten und darüber berichteten.

Dieses furchtbare Schicksal überschattete sein gesamtes Leben:

„Alles bringt mich zurück ins Lager. Was ich auch tue, was ich auch sehe, mein Geist kehrt immer wieder an diesen Ort zurück. Es ist, als hätte die ‚Arbeit’, die ich dort tun musste, meinen Kopf nie verlassen. (…) Man kommt nie mehr wirklich aus dem Krematorium heraus.“

Shlomo Venezia starb am 1. Oktober 2012 im Alter von 88 Jahren.

Marika Venezia, die in Rom lebt, 56 Jahre lang an Shlomos Seite verbrachte und mit ihm eine Familie gründete, wird in der Veranstaltung darüber berichten, wie das Trauma ihres Mannes auch ihr Leben prägte und wie es an die nächsten Generationen weitergegeben wurde.

Eine Veranstaltung des Bildungswerkes Stanislaw Hantz e.V., des Antifabündnisses Witten und des soziokulturellen Zentrums Trotz Allem.

Sa. 2. Juli 2016, 17:00 Uhr, Bochum, Bahnhof Langendreer, Raum 6

Continue reading „Sa. 2. Juli: Marika Venezia: Mein Leben mit dem Auschwitz-Überlebenden Shlomo Venezia“

Di. 24. Mai: Venezuela-Veranstaltung

Die Linken haben die Parlamentswahlen im Dezember klar verloren. Möglicherweise eröffnet das wieder Perspektiven für selbstbewusste Initiativen von unten, die sich auf die eigenen Kräfte besinnen, statt an Chávez und andere Götter zu glauben. Eine dieser Initiativen ist der Kooperativenverbund Cecosesola in Barquisimeto. Dort sind alle Facetten der allgemeinen Krise Venezuelas zu spüren:

Devisenmangel, hohe Inflation, lange Warteschlangen vor den Verkaufshallen mit körperlichen Auseinandersetzungen um verbilligte Grundnahrungsmittel, stillgelegte Fahrzeuge wegen Ersatzteilmangel sowie Einschränkungen bei der Grundversorgung in den Gesundheitszentren.

An diesem Abend soll diskutiert werden, warum der „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ an den Rand eines Staatsbankrotts geraten ist, welche Rolle die kapitalistischen Kernländer dabei spielen, warum eine fast zu 100% vom Erdöl abhängige Ökonomie in die Sackgasse führt, welche Verantwortung die Chavisten tragen und wie die Massen ihr Leben trotzdem meistern.

Der Referent ist seit 2005 mehrere Male durch Venezuela gereist und gehört zum Cecosesola-Solidaritätskomitee.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 24. Mai statt. Beginn ist 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei, aber eine Spende für die Fahrkarte des Referenten ist sehr erwünscht.

Di. 24. Mai 2016, 18:00 Uhr, anschließend offener Dienstag

Fr. 8. April: Der Krieg gegen die Kurden in der Türkei

[Foto: Ismail Küpeli]

Der Krieg in der Türkei dauert schon über fünf Monate. Die Ausgangssperren und Belagerungen von kurdischen Städten im Osten der Türkei haben sich inzwischen zu einem Dauerzustand entwickelt. In einigen dieser Städte, wie etwa Cizre, Silopi und Nusaybin, finden immer wieder Militäroffensiven statt. Während dieser Ausgangssperren und Militäroffensiven in den Städten wurden über 140 kurdische Zivilisten getötet, unzählige Menschen verletzt und ganze Straßenzüge zerstört. 2016 dürften die Kämpfe noch zunehmen, weil inzwischen auch auf kurdischer Seite die Stimmen für den militanten und militärischen Weg lauter werden. Die EU hat sich eindeutig auf die Seite der türkischen Regierung gestellt – und damit gegen eine demokratische und friedliche Lösung des Konfliktes.

Ismail Küpeli berichtet über die aktuelle Situation und beleuchtet die Hintergründe. Er ist Politikwissenschaftler und Journalist mit Schwerpunkt Türkei, Naher und Mittlerer Osten.

Bündnis 90 - Die Grünen Logo

Die Veranstaltung wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von Bündnis 90/Die Grünen OV Witten.

Fr. 8. April 2016, 20:00 Uhr

Continue reading „Fr. 8. April: Der Krieg gegen die Kurden in der Türkei“

Mi. 3. Februar: Antirepression: Was tun wenn’s brennt

Demonstration NSU-Prozess München (2013-04-13)-01

Das kleine Demo 1×1 – Part 1

Der Polizei stehen zahlreiche Instrumente zur Verfügung, um uns auf Demos und Aktionen von unseren Zielen abzuhalten. Doch mit dem richtigen Handwerkszeug sind wir keinesfalls machtlos. In einem Vortrag über Repression und Gegenstrategien wollen wir aufzeigen, wie man sich und andere schützt, auf Platzverweis und Pfefferspray reagiert und trotzdem bei Laune bleibt. Was gehört alles in dem Demo-Rucksack? Wie verhalte ich mich richtig im Polizeigewahrsam? Was ist ein Ermittlungsausschuss? Auf diese und weitere Fragen wird unser Vortrag Antwort geben.

[Logo: SDAJ]

Mi. 3. Februar 2016, 18:00 Uhr

Fr. 26. Februar: Schwarzer Tresen

Emma Goldman -- mugshot from Chicago, Sept 10, 1901
[Icon: mit Essen]

Dass die Wahrheit auch gelebt werden muss – Emma Goldman und der Anarchismus

Emma Goldman hinterließ ihren einmaligen Reichtum an gelebter Erfahrung und Theorie. Nicht bloß als Zuschauerin, sondern als scharfe Beobachterin und kämpferische Anarchistin bewegte Goldman sich in einer Zeit, als Europa, Asien und Amerika von Wellen der Revolution und Reaktion erschüttert wurden. Ihr Leben zwischen diesen Zentren war immer wieder eines auf der Flucht: vor antisemitischen Pogromen, vor politischer Verfolgung und staatlichem Terror. Die Erfahrungen in den Kämpfen der US-amerikanischen TextilarbeiterInnen brachten Goldman zu ihren Vorstellungen vom freiheitlichen Sozialismus, und entsprechend wurde sie zur bekannten Aktivistin und Agitatorin der ArbeiterInnenbewegung. Später verlagerte Goldman ihren Schwerpunkt auf andere Kampffelder. Befreiende Momente suchte sie nicht in Parteien und auch nicht in der Masse, sondern im kreativen Potential, das erst noch von den gemeinschaftlich handelnden Individuen zu erschaffen ist.

Ihre provozierenden Thesen werden vorgestellt, im Zusammenhang mit Goldmans Biographie. Denn ihr Leben folgte dem von ihr selbst formulierten Grundsatz, „dass die Wahrheit, wenn sie einmal erkannt wurde, auch gelebt werden muss und ihr Wesen nicht nur theoretisiert werden darf“.

Fr. 26. Februar 2016, 19:00 Uhr, mit Essen

Continue reading „Fr. 26. Februar: Schwarzer Tresen“

Escape – Wenn es doch nur so einfach wäre (Vortragsreihe)

Die Flüchtlingskrise ist in aller Munde. In der Regel steht die Verteilungs- und Finanzierungsproblematik im Mittelpunkt. Im Rahmen dieser Vortragsreihe von Grenzfrei Witten sollen Gründe und Umstände von Flucht näher beleuchtet werden, sowie ein Einblick in die Lebensrealität von Geflüchteten in Deutschland vermittelt werden.

4. 11. Escape – Vortragsreihe Teil 1 – Vortrag von Wolfgang Grenz (Amnesty International) über Fluchtgründe
11. 11. Escape – Vortragsreihe Teil 2 – Vortrag von Wolfgang Grenz (Amnesty International) über Fluchtgründe
25. 11. Escape – Vortragsreihe Teil 3 – Workshop zur Altersbestimmung von Flüchtlingen

(Beginn der Veranstaltungen ist jeweils 19:00 Uhr)

Förderung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.

Mi. 25. November: Vortrag: Altersfestsetzung im Zuge des Asylverfahrens – was ist das?

Bundesarchiv Bild 183-1986-0502-019, Pinnow, Gemeindeschwester im Kindergarten

„Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge können nicht abgeschoben werden und bekommen in Deutschland besondere Betreuung. Doch für die Einschätzung des Alters gibt es verschiedene Methoden. Die Jugendämter schätzen die Reife nach eingängigen Gesprächen. In anderen Städten wird außerdem eine medizinische Untersuchung verlangt. Doch diese Methode ist stark umstritten.“ (Süddeutsche Zeitung, 14. Dezember 2014)

Das Thema der Altersfestsetzung im Zuge des Asylverfahrens ist stark umstritten. Ärztekammern und Menschenrechtsverbände prangern vor allem die medizinischen Methoden zur Festsetzung als unwissenschaftlich und unmoralisch an. Auf der anderen Seite werden die entsprechenden Gutachten jedoch immer beliebter und zum größten Teilen in und durch Universitätskliniken ausgestellt. Wie passt das zusammen und was steckt dahinter? Diesen Fragen wollen wir im Vortrag und bei der anschließenden Fragerunde auf den Grund gehen.

Mi. 25. November 2015, 19:00 Uhr

Di. 1. September: Wegen Protesten gegen Krieg und Nazis hingerichtet

In der Nacht vom 20. auf den 21. September 1939 verklebte der 20jährige Wittener Postbote Erich Scheer in Annen selbstgemalte Plakate gegen den kurz zuvor begonnenen Krieg und gegen die Nationalsozialisten. Er wollte der Bevölkerung zeigen, dass es durchaus Menschen gab, die versuchten, gegen Krieg und Nazis vorzugehen. Er hoffte, sie durch sein Beispiel dazu zu bringen, ebenfalls gegen den Krieg aktiv zu werden. Für die nationalsozialistische Regierung stellte Scheers Handeln eine Gefahr für die Stabilität der „Heimatfront“ dar. Es wurde eigens eine Sonderkommission der Gestapo eingesetzt, die Scheer jedoch nicht als Verursacher ermitteln konnte. Erst durch unglückliche Umstände fand sie heraus, wer die Plakate angebracht hatte. Erich Scheer wurde am 20. Dezember 1939 vom Volksgerichtshof in Berlin zum Tode verurteilt und zwei Tage darauf in Berlin-Plötzensee enthauptet. Anlässlich des Antikriegstages stellt der Historiker Ralph Klein das Leben dieses Antifaschisten und Kriegsgegners vor.

Di. 1. September 2015, 19:30 Uhr, anschließend Offener Dienstag