Fr. 15. Nov.: Freiheit ist heute schon da – Ein Genderblick zurück

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Die Diskussion um die männliche Dominanz in politischen Gruppen bleibt auch den anarchistischen Kreisen nicht erspart, da sie ebenso davon betroffen sind. Mit der Veranstaltung „Freiheit ist heute schon da“ wird ein Blick gewagt auf das Liebesverhältnis eines Anarchisten zu einer jungen Frau vor hundertzwanzig Jahren. Vielleicht bietet dieser historische Blick auf damalige Verhaltensweisen und Denkstrukturen die Möglichkeit, eine Kritik an männlichem und weiblichem Verhalten zu entwickeln, die auch den anarchistischen Diskurs weiterbringt.

„Freiheit ist heute schon da“

Gustav Landauers Briefe an Clara Tannhauser aus dem Jahr 1892

Die vorliegenden Briefe und Tagebuchaufzeichnungen Landauers stammen aus einer Phase, die Landauers amerikanischer Biograph Eugene LunnThe education of an anarchist“, die Ausbildung zum Anarchisten, genannt hat. Landauer, gerade mal 22 Jahre alt, stand damals im Übergang vom Studenten zum Schriftsteller und „Antipolitiker“ (wie er sich seit 1897 nannte), im Übergang auch von dem bürgerlichen Idyll seiner süddeutschen Heimat zu der von Industriebetrieben und Klassengegensätzen geprägten Reichshauptstadt Berlin, wo er die nächsten 25 Jahre seines Lebens zubringen wird. In dieser Phase verliebt er sich in die 20-jährige Clara Tannhauser aus Buttenhausen, der Heimat seines Vaters, lässt sich daraufhin im benachbarten Urach nieder, um seinen Roman „Der Todesprediger“ zu vollenden, und verlobt sich „im Stillen“ mit ihr. Clara war die Tochter eines jüdischen Viehhändlers, ihre Eltern waren konservative und gläubige Juden und durften natürlich nichts von dieser Verbindung wissen. Landauer war damals inspiriert von den Schriften Nietzsches und Stirners, aber auch von der „freien Liebe“, die von Sozialdemokrat*innen und Anarchist*innen gleichermaßen propagiert wurde. Ausgehend von einzelnen Briefabschnitten wäre zu fragen: Was verstand man damals unter „freier Liebe“? Welchen Spielraum hatte Landauer, um eine „freie Liebe“ jenseits staatlicher und sozialer Zwänge zu leben, und wie nutzte er diesen? Welche Rollenerwartungen richtete Landauer an sich und seine Geliebte? Und schließlich: Was für eine Funktion nimmt später in Landauers Anarchismus die Ehe ein, die er gegen seinen Freund Erich Mühsam verteidigt?

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kampagne Zeit für Plan A der AFRR in Kooperation mit Transistor.

Es wird eine Vokü (kostengünstiges veganes Essen) angeboten.

Das Buch in der Gustav-Landauer-Bibliothek:

  • Christoph Knüppel (Hg.):
  • „Sei tapfer und wachse dich aus.“
  • Gustav Landauer im Dialog mit Erich Mühsam: Briefe und Aufsätze
  • Lübeck: Erich-Mühsam-Gesellschaft, 2004
  • ISBN: 3931079325
  • Signatur: b-land-2-2-4
  • Schlagworte: Anarchismus, Biografie, Brief, Gustav-Landauer-Sammlung
  • Reihe: Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft (24)
  • 232 Seiten

Fr. 15. Nov. 2013, Einlass: 19:00 Uhr, Beginn: 20:00 Uhr

Neue Bücher in der Gustav-Landauer-Bibliothek

In der Gustav-Landauer-Bibliothek haben wir einige neue und interessante Bücher.

Do. 21. Jun.: „…ich will um des Gestaltens willen erkennen“

Philosophie und Judentum bei Gustav Landauer

Vortrag von Dr. Siegbert Wolf

Gustav Landauer

Gustav Landauer in den 1890er Jahren

Philosophisches Denken betrieb der libertäre Sozialist Gustav Landauer (1870–1919), bedeutender Theoretiker des deutschsprachigen Anarchismus und Initiator zahlreicher libertärer Projekte, nie als Selbstzweck. Vielmehr zielte er stets auf das Leben der Menschen, auf deren gesellschaftliche Praxis, mit dem Ziel einer globalen Menschwerdung auf der Grundlage von Freiheit, Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit. Deutlich wird Landauers tiefes Verständnis von Philosophie als ein Erkenntnisinstrument, nicht um die Welt zu interpretieren, sondern um sie zu verändern. Langjährige Gesprächspartner fand er hierbei vor allem in Fritz Mauthner, Martin Buber, Constantin Brunner und Ludwig Berndl. Besonders in der Sprachkritik erkannte er ein Mittel zur Kritik der instrumentellen Vernunft und zur Auflösung herrschaftsorientierter Ideologien. „Skepsis und Mystik. Versuche im Anschluss an Mauthners Sprachkritik“ (1903) zählt zu Gustav Landauers philosophischen Hauptwerken. Gebührt dieser sprach- und vernunftkritischen Monographie der Rang einer grundlegenden Sprachphilosophie des Anarchismus, so gilt dies für seine 1907 erschienene Studie „Die Revolution“ gleichermaßen hinsichtlich einer fundierten libertären Geschichtsphilosophie.

Hinzu trat Landauers bewusstes Bekenntnis zum Judentum, das einherging mit einer Wiederentdeckung der jüdischen Tradition, der mystischen und häretischen Quellen des Judentums (Messianismus, Kabbala, Chassidismus). Es entsprang vor allem kulturellen Impulsen eines engen Zusammenhanges zwischen Judentum und Menschheitsidee. Im Prozess eines neuen, sozialen Umgangs der Menschen untereinander, maß er dem lebendigen Judentum mit seinen Nächstenliebe– und Gerechtigkeitsmotiven, den das Gemeinschaftsleben verkörpernden Traditionen sowie dessen kultureller Vielfalt, eine bedeutende Vorreiterrolle bei der Regeneration der gesamten Menschheit zu.

Zur Person des Referenten:

Siegbert Wolf, geb. 1954, Dr. phil., Historiker und Publizist in Frankfurt am Main. Zahlreiche Bücher u. a. über Gustav Landauer, Martin Buber, Hannah Arendt, Jean Améry sowie zur Frankfurter Stadtgeschichte: Hrsg.: Jüdisches Städtebild Frankfurt am Main (1996); zuletzt: Gustav Landauer, Die Revolution (1907). Hrsg. und mit einem Vorwort von Siegbert Wolf. Münster 2003 (= Klassiker der Sozialrevolte, Bd. 9); Werner Portmann / Siegbert Wolf, „Ja, ich kämpfte”. Von Revolutionsträumen, „Luftmenschen” und Kindern des Schtetls. Biographien radikaler Jüdinnen und Juden. Münster 2006; Milly Witkop, Hertha Barwich, Aimée Köster u. a.: Der „Syndikalistische Frauenbund”. Hrsg. und mit einer Einleitung von Siegbert Wolf. Münster 2007 (= Klassiker der Sozialrevolte, Bd. 17); Maria Regina Jünemann: Die Anarchistin. Roman. Neu herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Siegbert Wolf. Lich / Hessen 2008 (= Libertäre Bibliothek, Band 2). Seit 2008 Herausgeber der Ausgewählten Schriften Gustav Landauers im Verlag Edition AV (Lich / Hessen) Bisher erschienen: Band 1: Internationalismus. (2008); Band 2: Anarchismus (2009); Band 3.1: Antipolitik (2010); Band 3.2: Antipolitik (2010). Band 4: Nation, Krieg und Revolution (2011); Band 5: Philosophie und Judentum (2012); Band 7: Skepsis und Mystik (2011). (Video zur Illustration zu Skepsis und Mystik)

Der Kultur- und Sozialphilosoph Gustav Landauer gehörte neben Rudolf Rocker und Fritz Kater zu den herausragenden Vertretern des deutschsprachigen Anarchismus im 20. Jahrhundert.

Als Karlsruher Gymnasiast hatte er Altgriechisch gelernt und wusste um die vielfältige Bedeutung des Wortes „anarchos“: an- als Vorsilbe bedeutet „ohne“, archē als Substantiv „Anfang“, „Grund“, „Materie“, „Prinzip“ und „Herrschaft“. Schon der Erfinder des industriezeitalterlichen Anarchismusbegriffes, der Franzose Pierre-Joseph Proudhon, war in Kenntnis dieser Bedeutungsvielfalt und beeinflusste Landauers Denkwege.

Der Sozialist

„Der Sozialist“ – Zeitschrift des Sozialistischen Bundes

Im Gefängnis Berlin-Tegel beschäftigte sich Landauer 1899 u. a. mit Pseudo-Dionysius Areopagita und Meister Eckhart und entwickelte die Vorstellungen eines freien Sozialismus, die er in der Zeitschrift Der Sozialist verbreitete und im Sozialistischen Bund ausprobierte.

Die Wittener Gartenstadt Crengeldanz ist ein Ergebnis der Gartenstadt-Bewegung, der auch Landauer in Berlin angehörte. Er unterstützte den Siedlungsgedanken durch zahlreiche Vorträge und wurde auch von jüdischen Siedlern rezipiert (Kibbuzim).

Im Gedenken an Gustav Landauer hat das „Trotz Allem“ in Witten seine Bibliothek nach ihm benannt. Dort findet sich Literatur zu den politischen Themen, die die Menschen in den letzten Jahrzehnten hat umtreiben lassen.

Anlässlich des Vortrags präsentiert das „Trotz Allem“ innerhalb einer kleinen Ausstellung eine Auswahl von Büchern und Texten zu Landauers Leben und Werk. Kooperationspartner der Veranstaltung ist die Deutsch-Israelische Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Witten.

Do. 21. Jun. 2012, 18:30 Uhr

Sa. 10. Dez.: Eröffnung Gustav-Landauer-Bibliothek

[Logo: Gustav-Landauer-Bibliothek]

Am Samstag, den 10. Dezember 2011 feiern wir die Eröffnung der Gustav-Landauer-Bibliothek.

Die Gustav-LandauerBibliothek ist eine Sammlung von Veröffentlichungen, die vorwiegend in den letzten vier Jahrzehnten in einem links-alternativen Spektrum, verbreitet, gelesen und diskutiert wurden. Themen wie Antifaschismus, Gender, Freie Pädagogik, Friedenspolitik, Ökologie, Ökonomie, politische Entwicklungen in den verschiedenen Ländern der Welt und die Lehren klassischer und weniger klassischer Theoretikerinnen und Theoretiker finden sich dort ebenso wie neue Fragestellungen der 21. Jahrhunderts zur (Des-)Informationsgesellschaft.

Der Name des jüdischen Sozialphilosophen und Räterepublikaners wurde gewählt, weil sich der Sammlungsbestand im Hinblick auf Fragestellungen erweitert hat, die schon Gustav Landauer (1870–1919) aufgeworfen hat, und das Gedenken an ihn stark vernachlässigt wird.

Die Bibliothek ist während des offenen Dienstags und vieler anderer Veranstaltungen zugänglich. Der Ausleih ist unentgeltlich.

Sa. 10. Dez. 2011, 19:00 Uhr

Kleine Reihe 75 Jahre Spanischer Bürgerkrieg

Anlässlich des 75. Jahrestages möchten wir uns an drei Abenden im Juli mit dem Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939 beschäftigen. Der Spanische Bürgerkrieg ist sowohl für Antifaschisten_innen wie auch für Anarchisten_innen ein wichtiger historischer Bezugspunkt und auch angesichts der aktuellen #spanishrevolution interessant.

1936 putschten faschistische Militärs gegen die bürgerliche spanische Republik. Die Arbeiter_innen, in der Mehrheit anarchistisch, leisteten sofort bewaffneten Widerstand und so kam es zum Bürgerkrieg. In den von ihnen dominierten Gebieten nutzten die Anarchisten_innen die Gelegenheit und setzten ihre Vorstellungen von selbstverwalteter Wirtschaft um. Zitat einer älteren, katholischen Dame: „Ja, ja, an diese Anarchisten kann ich mich gut erinnern! Das waren wilde Zeiten und wilde Typen – aber die U-Bahn fuhr nie so pünktlich wie damals bei den Anarchisten!“

Aufgrund des Machtstrebens der sich in der Minderheit befindenden Stalinisten_innen wurde diese real funktionierende Utopie aber nach und nach zerstört und die sozialen Fortschritte wieder rückgängig gemacht. Im Bürgerkrieg fiel die Unterstützung sowohl der Staaten des bürgerlich-demokratischen Westens wie auch der „sozialistischen“ Staaten größtenteils aus, während die faschistischen Putschisten reichlich Waffenlieferungen und direkte militärische Unterstützung durch das faschistische Italien und das dritte Reich bekamen. So zerstörte 1937 die deutsche Legion Condor die baskische Stadt Gernika. Der Bürgerkrieg endete 1939 mit einem Sieg der Faschisten. Es folgten 38 Jahre der Diktatur.

Alle Termine im Überblick

Mi. 13. 7. Dokumentation (ab 20:00 Uhr)
Mi. 20. 7. Fiktion (ab 20:00 Uhr)
Mi. 27. 7. Fantasien (ab 20:00 Uhr)

Literaturempfehlungen aus der Gustav-Landauer-Bibliothek:

  • Durruti, 1896–1936
  • A. Lorenzo, 1996
  • ISBN: 8486864224
  • Signatur: b-durr-1-2
  • Abel Paz:
  • Anarchist mit Don Quichottes Idealen
  • Innenansicht aus der Spanischen Revolution; Eine Biographie (1936–1939)
  • Edition AV, 2008
  • ISBN: 9783936049978
  • Signatur: b-paz-2-2
  • Diedrich Peters:
  • Der spanische Anarcho-Syndikalismus
  • Abriss über eine revolutionäre Bewegung
  • Edition Flugschriften, 1989
  • ISBN: 3925866086
  • Signatur: gesc-span-3
  • Hans-Jürgen Degen, Helmut Ahrens:
  • Widerstand in Spanien
  • Wandlungen in den Aktionsformen vom Bürgerkrieg bis zum Tode Francos
  • Wetzlar: Verlag Büchse der Pandora, 1977
  • ISBN: 3881780173
  • Signatur: gesc-span-4
  • FAU Köln:
  • 75 Jahre CNT-AIT 1910–1985
  • Die Entwicklung der Anarcho-Sndikalistischen Bewegung in Spanien
  • FAU, 1986
  • Signatur: gesc-span-6
  • Walther L. Bernecker:
  • Strategien der Direkten Aktion und der Gewaltanwendung im spanischen Anarchismus
  • Josef Becker zum 50. Geburtstag
  • 1981
  • Signatur: gesc-span-7
  • Diego Abad de Santillán, Juan Peiró:
  • Ökonomie und Revolution
  • Fabrik- und Stadtteilkomitees, Syndikalismus und die soziale Revolution in Spanien, Rolle der Industrieföderationen und des Anarchismus
  • Verlag Monte Verita, 1986
  • ISBN: 3900434093
  • Signatur: wirt-4